Blickpunkt Zukunft, Ausgabe 51, Juni 2009
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
in ihren Händen halten Sie die zweite gemeinsam mit der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler gestaltete Ausgabe von BLICKPUNKT ZUKUNFT. Die erste Ausgabe ist auf eine sehr positive Resonanz gestoßen. Diese hat uns ermutigt, auf dem Weg fortzufahren.
Das Wort „Krise“ ist in aller Munde. Wir sprechen von einer umfassenden Zivilisationskrise oder einer System¬krise wichtiger Komponenten des Kapitalismus. Wer sich jedoch mit den Problemen und Herausforderungen der menschlichen Zivilisation schon länger beschäftigt, wie die meisten Leserinnen und Leser dieser Zeitschrift – viele davon aus der Zukunfts- und Friedensforschung und kriti¬schen Wissenschaft – für die ist die gegenwärtige Krise ein zwangsläufiges „Resultat“ aus einer Vielzahl von zum Teil katastrophalen Fehlentwicklungen, die teilweise schon vie-le Jahrzehnte bestehen. Von der derzeitigen Krise, die ein Zusammenspiel aus der Finanzkrise und der sich schon lange Zeit vorher abzeichnenden globalen Re¬zession ist, sind die reichen Länder des Nordens stark betroffen. Deshalb wird diese Krise weitaus deutlicher wahrgenommen als zum Beispiel die viel akuteren und schlimmeren Krisen auf der Welt, wie der Hunger und das Massenelend in vielen Ländern des Südens oder die schon heute feststell¬baren Folgen des globalen Klimawandels, die im wahrsten Sinne des Wortes mehr die Menschen in den armen Län¬dern zu spüren bekommen als wir im Norden. Die Krisen in den Ländern des Südens erzeugen weltpolitische Span¬nungen, führen zu permanenten Konflikten, Bürgerkriegen und Vertreibungen; sie sind der Nährboden für terroristische Organisationen. Das alles bedingt viel menschliches Leid und erzeugt ungezählte Opfer. Das sind die wirklichen Kri¬sen der menschlichen Zivilisation, die zugleich Tag für Tag an Zukunftsfähigkeit einbüßt, weil viel zu wenig un-ter¬nommen wird, um die Zielvorstellungen der nachhal¬tigen Entwicklung voranzutreiben.
Einige Aspekte dieser mit der Krise verbundenen Herausforderungen beleuchtet Ernst-Ulrich von Weizsäcker in seinem Beitrag. Die Dimension unseres notwendigen Han¬delns wird auch in den Beitrag von Helmut Etzold deutlich.
Besonders verweisen möchten wir auf die Hinweise zu den vielfältigen Aktivitäten der VDW zu ihrem 50. Jahrestag. In gewisser Weise ist ja auch die VDW ein Reflex auf die umfassende Krise, die auch durch die historisch erst¬malige Möglichkeit der Vernichtung des Planeten Erde durch ei¬nen Atomkrieg geprägt ist. Das Handeln der VDW ist seit ihrer Gründung, der Versuch einen humanen und zivilisa¬torischen Ausweg - nicht nur im Bereich der Wissenschaft - aus den globalen Problemen zu finden und für diesen zu wirken. Dabei ist sicher die Rede des US-Präsidenten Barack Obama vom 4. April 2009 in Prag für eine atomwaffenfreie Welt eine große Ermutigung, aber auch hier gilt, ohne eine breite internationale gesellschaftliche Unterstützung, wird dieser Vorschlag nicht Realität werden. Eine Herausforderung, die sicher auch das Jubiläum der VDW prägen wird. Sie alle – ob Mitglied der VDW oder nicht – sind herzlich eingeladen. Wir freuen uns, viele von Ihnen im Okto¬ber (Termine in den VDW-Informationen) in Berlin auch persönlich begrüßen zu können.
Reiner Braun / Werner Mittelstaedt
Die Themen:
Energie, Ressourcen, Frieden von Ernst Ulrich von Weizsäcker ---
Wichtigstes Werk der deutschsprachigen Zukunftsforschung erschienen: Reinhold Popp und Elmar Schüll (Hrsg.) Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung Beiträge aus Wissenschaft und Praxis ---
Als Einlage: [VDW-Informationen] ---
Der Selbstwiderspruch organisierter Nationen und die politischen und wirtschaftlichen Dilemmata zentral geführter Massengesellschaften von Helmut Etzold ---
Buchbesprechung: „State of the Future 2008“ von Edgar Göll
[Gesamtausgabe]
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