Agricultural Transformation Review (ATR)

Agricultural Transformation Review (ATR) 2017-06-28T09:30:47+00:00

Biennial Assessment of Sustainability and Agricultural Development

Zielorientierung der ATR

Gegenwärtig ist eine mit dem UN-System und einer hinreichenden Anzahl nationaler Regierungen koordinierte internationale Basis für eine regelmäßige globale Agrarberichterstattung nicht gegeben und auch nicht absehbar ist. Daher soll die Agricultural Transformation Review als eine Initiative aus der Zivilgesellschaft heraus gleichwohl in diese Richtung wirken. Ziel ist, einen wissenschaftlich fundierten und unvoreingenommenen politischen Dialog zwischen Wissenschaft, Agrarwirtschaft und politischen Entscheidungsträgern auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu Fragen der Landwirtschaft und Ernährung in der Perspektive einer nachhaltigen Entwicklung zu unterhalten. Dabei geht es zentral um drei Fragen- und Problemkreise: (1) Die sehr problematischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Wirkungen der industrialisierten Landwirtschaft zu mindern, (2) funktionierende bzw. sich bewährte Alternativen aufzuzeigen und(3) über den Status quo hinausreichende Zukunftsfragen zu thematisieren.

Bauern sind nicht nur Produzenten

Landwirtschaft ist, anders als praktisch alle anderen Wirtschaftsbereiche, sehr stark an lokale Produktionsmittel, vor allem Böden und Wasser, Diversität in der Produktion und lokale Umwelt- und Klimabedingungen gebunden. Bäuerliche Betriebe wissen deshalb, dass sie nicht nur Produzenten von Erzeugnissen sind, sondern auch Treuhänder eines lokalen agro-ökologischen Systems, dessen nachhaltige Reproduktion der entscheidende Produktionsfaktor ist.

Der Wandel in der Landwirtschaft

In den letzten 5 bis 6 Jahrzehnten ist die globale Landwirtschaft allerdings durch die Regeln der Globalisierung der Märkte immer mehr wie ein industrieller Sektor behandelt worden, der auf Spezialisierung, wachsende Betriebsgröße und sinkende Produktkosten ausgerichtet ist. Dies hat immer mehr zu industriellen, stark extern inputabhängigen und energieintensiven Produktionsformen sowie zur Verselbständigung von Pflanzenbau und Viehwirtschaft geführt. Viele Betriebe sehen diese Trends als problematisch an, können sich ihnen auf Grund des Kostendruck aber faktisch nicht entziehen.

Die Folgen dieser neuen Landwirtschaft

Die Landwirtschaft als Wirtschaftssektor macht nur etwas über 4% des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, verursacht aber dazu disproportionale Umweltschäden (z.B. bei Stickstoffkontamination, Treibhausgasemis­sionen, Entwaldung, Habitat- und Artenverlust) und tut sich sehr schwer, das Hungerproblem einer wachsenden Weltbevölkerung bei begrenzter Ressourcenverfügbarkeit in den Griff zu bekommen. Ein schnell voranschreitender Klimawandel wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu erheblichen politischen Spannungen auf lokaler, nationaler, regionaler und internationaler Ebene um den Zugang zu fruchtbaren Böden und Wasser bzw. damit verbundene Flüchtlings- und Migrationsbewegungen führen. Gleichzeitig spielt die Landwirtschaft vor allem in Entwicklungsländern eine herausragende Rolle für nachhaltige wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung.

Der IAASTD-Report – eine einmalige Unternehmung

Im Jahr 2008 ist das International Assessment on Agricultural Knowledge, Science & Technology for Development (IAASTD) verabschiedet worden . IAASTD wurde kooperativ von politischen Entscheidungsträgern, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Wissenschaftlern erarbeitet und abgestimmt. Es war die erste umfassende Abschätzung und Bewertung zum Status quo und möglichen Perspektiven der Landwirtschaft. Der IAASTD-Report ist jedoch eine einmalige Unternehmung geblieben . Diverse Bemühungen zur Initiierung einer Verstetigung des IAASTD haben zwar etliche Interessierte aus Wissenschaften, Zivilgesellschaft und politische Entscheidungsträgern gefunden, aber nicht die notwendige finanzielle, organisatorische und politische Unterstützung aufgebracht, die für den Start eines solchen internationalen Vorhabens unabdingbar ist.

Höchste Zeit zu handeln

Höchste Zeit also, systematisch, objektiv, regelmäßig und politisch unabhängig die notwendigen und machbaren Transformationsansätze für die Landwirtschaft zu analysieren und darauf aufbauend einen konstruktiven Dialog zwischen Wissenschaft, Agrarwirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft auf nationaler und internationaler Ebene zu initiieren, zu begleiten und zu fördern.

Team

Dr. habil. Ulrich Hoffmann
Dr. habil. Ulrich HoffmannKonzeption und Herausgabe
PD Dr. Stephan Albrecht
PD Dr. Stephan AlbrechtKonzeption und Herausgabe
Bildnachweis: U.S. Department of Agriculture (USDA): A person holding a plant on a shovel